IDM Südtirol - Alto Adige

Export

Die Vereinigten Staaten in Zeiten des “America first”

Chancen und Risiken für Unternehmen, die in den us-amerikanischen Markt einsteigen wollen, wurden bei der IDM-Veranstaltung „Export USA“ unter die Lupe genommen.

Der us-amerikanische Markt wird für Südtiroler Unternehmen immer interessanter. Aktuell ist er der fünftgrößte Exportmarkt Südtirols. Seit 2009 erleben die USA einen wirtschaftlichen Aufschwung. Trotz Handelskrieg und globaler Verunsicherung bieten die USA gute Absatzmöglichkeiten. Aufgrund der nationalistisch geprägten Politik Donald Trumps unter dem Slogan „America first“ stehen Geschäftsbeziehungen in die USA vor neuen Herausforderungen. Aus diesem Grund wurden in kurzen Konferenzen und individuellen Beratungsgesprächen die größten Herausforderungen von international anerkannten Experten den anwesenden 60 Unternehmen kompakt erläutert. Importbeschränkungen, Visa-Vergabe, Vertrags- und Gesellschaftsrecht, steuerrechtliche Fragen, Transport und Logistik standen im Mittelpunkt der Konferenzen und Gespräche.

Josef Braml, einer der renommiertesten USA-Experten ging in seinem Vortrag auf die nationale Wirtschaftspolitik der USA und die geopolitische Situation ein. Die wirtschaftliche und politische Vorherrschaft der USA wird demnach vor allem von der Volksrepublik China in Frage gestellt. Dieser Paradigmenwechsel, so Braml, zwingt auch europäische Entscheidungsträger und Politiker zu einem geostrategischen Umdenken.

Erfahrungsberichte über gemeisterte Herausforderungen und errungene Erfolge auf dem us-amerikanischen Markt der Brennerei Walcher und des Unternehmens Nikolaus Bagnara rundeten die Veranstaltung ab. Dabei schilderte Theodor Walcher, dass sein Interesse für den amerikanischen Markt 2016 bei einer Unternehmerreise in die USA geweckt wurde. Die FDA-Registrierung (Food and Drug Administration) verpflichtend für alle, die Lebensmittel in den USA verkaufen wollen, die Abfüllung in 70-ml-Flaschen (anstatt 75-ml-Flaschen), die Anpassung von Etiketten und deren Genehmigung durch das TTB (Alcohol and Tobacco Tax and Trade Bureau) waren nur einige Hindernisse, auf die die Brennerei Walcher auf dem Weg nach Amerika gestoßen ist. Die Ergebnisse zeigen aber, dass sich die Mühe gelohnt hat: 2018 begann Walcher mit dem Export von Amaretto und Spritz in die USA. 2019 wurde die Produktpalette auf dem amerikanischen Markt um neue Produkte erweitert. Auch das Unternehmen Nikolaus Bagnara, das mit Südtiroler Naturstein handelt, musste Hürden überspringen. Einfuhrzölle, die starke politische Komponente, lange Lieferzeiten und der Wechselkurs konnten das Unternehmen jedoch nicht abschrecken und nun liefert Nikolaus Bagnara seit 20 Jahren Rohlinge und Fertigprodukte in die USA und ist mit den erreichten Ergebnissen sehr zufrieden.