IDM und HGV sind sich einig: Das größte Potenzial liegt in den Ländern, wo man Südtirol noch nicht kennt

„Wir müssen im Tourismus mutiger sein“

12.07.2017
Wer unser Land kennt, liebt es. Also gilt auch: Wer es nicht liebt, kennt es bloß noch nicht. Die Rede ist von Südtirol als nächstes Urlaubsziel für potenzielle neue Gäste. Die ließen sich gern überzeugen, wenn sie Südtirol nur kennen würden. Diesen Schluss zieht IDM Südtirol aus den Daten der soeben erschienenen IDM-Broschüre „Touristische Zahlen und Fakten“ für das Jahr 2016. Die zukünftige Strategie des Wirtschaftsdienstleisters wird also noch stärker auf die Wachstumsmärkte eingehen, deren Eroberung eine echte Herausforderung darstellt. Denn die Gewohnheiten und Vorlieben dieser potenziellen Gäste sind noch nicht ausreichend erforscht.
„Im vergangenen Jahr haben wir erstmals mehr als 30 Millionen Nächtigungen verbucht, eine Zahl, die für sich spricht“, betont Landeshauptmann Arno Kompatscher und fügt hinzu: „Wir sind auf dem richtigen Weg. Unsere abwechslungsreiche und gepflegte Landschaft, die köstliche Küche und die erstklassige Infrastruktur überzeugen immer neue Gäste davon, hier ihren Urlaub zu verbringen.“ Um neue Strategien für eine stärkere Internationalisierung der Tourismusbranche zu entwickeln, hat IDM auch anhand der Broschüre „Touristische Zahlen und Fakten“ – die auf Daten zum Südtiroler Tourismus 2016 des Landesinstitutes für Statistik Astat beruht – die Herkunftsländer der Südtirol-Urlauber ausgewertet. Demnach schätzen und kennen die Gäste aus den wichtigsten Märkten (Italien, Deutschland, Österreich und Schweiz) Südtirol schon lange, was der Anteil von 88,7 Prozent an den Übernachtungen 2016 (31.352.490) beweist. Für die anderen Länder, in denen IDM Marketingkampagnen durchführt – Niederlande, Belgien, Frankreich, Vereinigtes Königreich, Tschechien, Polen und Russland – gilt hingegen laut Thomas Aichner, Direktor der Abteilung Communication bei IDM: „Da können wir mutiger sein.“

Obwohl diese Märkte weniger Affinität zu Südtirol haben und deswegen mehr Anstrengung nötig ist, um sie zu analysieren und zu verstehen, zeigen die erhobenen Daten, dass sie großes Wachstumspotenzial haben. Im Ranking der Ankünfte nach Herkunftsland liegen etwa die Gäste aus den Niederlanden seit Jahren stabil auf dem fünften Platz – und werden konstant mehr: „Sie haben unsere Berge kennengelernt, schätzen sie und entscheiden sich wiederzukommen“, unterstreicht Aichner. Auch bei den Übernachtungszahlen der letzten fünf Jahre lässt sich bei allen Herkunftsländern, in denen IDM aktiv ist, ein Aufwärtstrend erkennen. Ausnahmen mit einem Nächtigungsminus im Vergleich von 2012 zu 2016 bilden dabei Russland – wegen der wirtschaftlichen und politischen Probleme, die das Verhältnis mit der Europäischen Union prägen – sowie die Niederlande und Belgien.

Ein weiterer, nicht zu unterschätzender Aspekt ist die Anreisedauer: Wer eine längere Anreise hat, tendiert dazu, länger zu bleiben. Tatsächlich bleiben Gäste aus Russland, Polen, dem Vereinigten Königreich, den Niederlanden und Belgien am längsten in Südtirol. Nicht nur das: Die Briten sind auch diejenigen, die durchschnittlich am meisten Geld ausgeben. Doch nicht nur IDM muss sich bemühen, diese Gäste, die weder dem deutschen noch dem italienischen Sprachraum angehören, zur Anreise und zum Bleiben zu bewegen. „Die Partner vor Ort müssen mehr investieren“, sagt Aichner. Während alle Akteure im Tourismussektor in Betracht ziehen sollten, weitere Sprachen zu lernen, sollten sich insbesondere die Hoteliers mit den Gewohnheiten der Gäste aus diesen Aufbaumärkten auseinandersetzen: „Die Briten zum Beispiel schätzen es, wenn sich in ihrem Zimmer ein Wasserkocher befindet, während die Franzosen Wert darauf legen, die wichtigsten Informationen in ihrer Sprache zu erhalten. Es geht also nicht darum, die eigenen Traditionen in Frage zu stellen, sondern darum, es den Gästen behaglicher zu machen“, unterstreicht Manfred Pinzger, Präsident des Hoteliers- und Gastwirteverbands Südtirol (HGV), der zusammen mit Vertretern der anderen tourismusgeprägten Wirtschaftssektoren bereits über spezifische Weiterbildungsangebote nachdenkt.

Zu den Strategien, die IDM im Sinne der Internationalisierung im Tourismus weiter vorantreiben will, gehören neben Werbekampagnen, der Einbindung sogenannter Influencer und der Zusammenarbeit mit großen Marken und Reiseanbietern auch Südtiroler Produkte als Aushängeschilder für das Urlaubsland. So werden bei Weinverkostungen, die IDM organisiert, oder Produktverkostungen auch Bilder von Weinbergen, Bergweiden und Almen verwendet. Die Teilnehmer solcher Veranstaltungen werden auch eingeladen, vor Ort persönliche Eindrücke zu sammeln und sich die Geschichten hinter den Produkten erzählen zu lassen. „Die Erzeugnisse unseres Landes sind die besten Testimonials, die wir im Ausland für uns sprechen lassen können“, sagt Thomas Aichner: „Sie vermitteln Werte wie die Qualität der Arbeit oder die Natur, aus denen sie hervorgehen. Die Menschen und Landschaften hier haben authentische Geschichten zu erzählen. Es reicht, sie einmal kennenzulernen, um sie wieder erleben zu wollen.“