Digitalisierung
Digitale Transformation: Wie Betriebe den richtigen Weg finden
Digitalisierung. Kaum ein Wort begegnet uns heute öfter – in der Zeitung, auf Veranstaltungen, im Gespräch mit Partnern. Und trotzdem fragen sich viele Betriebsinhaber: Wo fange ich eigentlich an? Was bringt mir das wirklich? Und wie mache ich das, ohne den laufenden Betrieb aufzuhalten?
Die gute Nachricht: Es braucht keine perfekte Strategie, um anzufangen. Aber ein klarer Kopf – bevor man Tools kauft oder Projekte startet – macht den Unterschied zwischen echtem Fortschritt und teurer Zeitverschwendung.
1. Ausgangspunkt: Den Status quo verstehen
Am Anfang jeder erfolgreichen Transformation steht eine ehrliche Bestandsaufnahme. Dabei geht es nicht nur um Technik, sondern um einen nüchternen Blick auf den eigenen Betriebsalltag:
- Welche Abläufe laufen noch auf Papier oder über viele Umwege?
- Wo verliert man täglich unnötig Zeit?
- Was machen die Mitarbeitenden, das eigentlich auch eine Software erledigen könnte?
- Welche digitalen Kompetenzen gibt es im Team bereits?
So können Sie vorgehen: Nehmen Sie sich zwei Stunden Zeit – alleine oder mit einer Vertrauensperson aus dem Betrieb – und schreiben Sie die fünf Abläufe auf, die am meisten Zeit kosten oder am häufigsten schiefgehen. Nicht theoretisch, sondern ganz konkret: Was passiert heute Morgen als erstes, wenn ein Kundenauftrag reinkommt? Wer macht was, auf welchem Zettel, in welcher Datei?
2. Ziele definieren: Vom Hype zur Relevanz
Digitalisierung ist kein Selbstzweck. Wer anfängt, weil alle anderen es auch tun, landet schnell bei teuren Tools, die niemand nutzt. Deshalb lautet die entscheidende Frage nicht: „Was gibt es Neues?" – sondern: „Was wollen wir eigentlich erreichen?“
So können Sie vorgehen: Formulieren Sie pro Bereich ein Ziel, das messbar ist. Nicht „wir wollen digitaler werden", sondern:
- Angebote werden statt in zwei Stunden künftig in 30 Minuten erstellt.
- Kundenanfragen werden innerhalb von vier Stunden beantwortet, nicht erst am nächsten Tag.
- Der Lagerbestand ist jederzeit aktuell einsehbar – ohne manuelle Zählung alle vier Wochen.
- Ein:e neue:r Mitarbeiter:in ist nach drei Tagen arbeitsfähig, nicht erst nach 3 Wochen.
Hängen Sie diese Ziele sichtbar auf – und überprüfen Sie in drei Monaten, ob sich etwas verändert hat.
3. Roadmap entwickeln: Schritt für Schritt statt alles auf einmal
Wer die Ziele kennt und weiß, wo er heute steht, kann gezielt planen – mit einer realistischen Abfolge von Maßnahmen, die aufeinander aufbauen.
Eine gute Digitalisierungs-Roadmap beantwortet drei Fragen:
Was zuerst? Nicht jede Baustelle ist gleich dringend. Maßnahmen, die schnell spürbare Entlastung bringen, sollten früh kommen – das schafft Motivation und Akzeptanz im Team.
So können Sie vorgehen: Nehmen Sie Ihre Liste aus Schritt 1 und bewerten Sie jeden Punkt nach zwei Kriterien: Wie groß ist der Aufwand? Wie groß ist der Nutzen? Was oben rechts landet – also hoher Nutzen, geringer Aufwand – kommt zuerst. Eine Tischlerei, die täglich Stunden mit der manuellen Erstellung von Angeboten verliert, startet sinnvollerweise dort – nicht mit einer KI-gestützten Lagerverwaltung, die erst in zwei Jahren relevant wird.
Was hängt zusammen? Manche Tools funktionieren nur dann richtig, wenn andere Voraussetzungen erfüllt sind.
Beispiel: Wer den Außendienst mit digitalen Kundenakten ausstatten will, braucht zuerst eine funktionierende zentrale Datenbank – sonst arbeitet jeder weiterhin mit seiner eigenen Excel-Liste. Die Reihenfolge zählt.
Was können wir selbst stemmen – und wo brauchen wir Unterstützung? Nicht alles muss extern eingekauft werden.
Praktische Einschätzung nach Aufwand:
- Die Einführung eines gemeinsamen Cloud-Ablagesystems (z. B. Google Drive oder Microsoft OneDrive) lässt sich oft mit etwas Anleitung intern umsetzen. Kosten: ab 0 € (kostenlose Basisversionen existieren), für Betriebe ab 5 Personen meist 5–10 € pro Person und Monat.
- Eine Angebotssoftware ist meist in wenigen Tagen eingerichtet. Kosten: 30–80 € pro Monat, je nach Anbieter und Funktionsumfang.
- Ein modernes Kassensystem mit automatischer Lagerverwaltung für den Einzelhandel kostet in der Anschaffung zwischen 500 und 2.000 €, oder als Monatsmiete ab ca. 50 €.
- Wer hingegen seine Produktionsdaten automatisch mit der Buchhaltung verknüpfen will, braucht jemanden, der die Schnittstellen kennt. Hier sind externe Fachleute sinnvoll.
Eine wichtige Anmerkung zu den Kosten: Viele Betriebe unterschätzen nicht die Anschaffungskosten, sondern die Zeit sowie die Einführung und Umgewöhnung kosten. Rechnen Sie immer auch damit: zwei bis vier Wochen, in denen das Team parallel im alten und neuen System arbeitet. Das ist normal – und geht vorbei.
4. Umsetzung: Digitalisierung ist ein Teamprojekt
Digitale Transformation scheitert selten an der Technik. Sie scheitert an Menschen – oder genauer: daran, dass Menschen nicht mitgenommen werden.
Das bedeutet nicht, dass man jeden Schritt endlos abstimmen muss. Aber es bedeutet: Wer frühzeitig erklärt, warum etwas geändert wird, wer Mitarbeitende einbindet und ihnen Raum gibt, Neues auszuprobieren, der hat deutlich bessere Karten.
So können Sie vorgehen:
- Holen Sie sich frühzeitig eine oder zwei Personen aus dem Team ins Boot, die offen für Neues sind und als Multiplikatoren wirken.
- Testen Sie neue Tools zuerst mit einer kleinen Gruppe, bevor Sie alles auf einmal umstellen.
- Planen Sie kurze, regelmäßige Updates, statt einer großen Präsentation am Ende, wenn schon alles entschieden ist.
- Benennen Sie eine klare Ansprechperson für Fragen und Probleme.
- Fordern Sie ehrliches Feedback ein – und reagieren Sie darauf. Wer das Gefühl hat, gehört zu werden, zieht mit.
Praxisbeispiel: Ein Südtiroler Weinbaubetrieb führte eine neue Kellerverwaltungssoftware ein. Statt alle Mitarbeitenden auf einmal zu schulen, wurde zuerst mit dem Kellermeister gestartet. Er wurde zur internen Anlaufstelle – und die Akzeptanz im gesamten Team war deutlich höher als bei früheren Projekten.
5. Dranbleiben: Digitalisierung endet nicht
Wer den Prozess einmal angestoßen hat, merkt schnell: Es gibt kein „fertig". Technologien entwickeln sich weiter, Bedürfnisse ändern sich, neue Möglichkeiten entstehen.
Das klingt nach Dauerstress – ist aber eigentlich eine gute Nachricht. Denn wer einmal gelernt hat, strukturiert an Veränderungen heranzugehen, tut sich beim nächsten Schritt leichter.
Praktisch bedeutet das: Planen Sie einmal pro Jahr eine halbe Stunde ein, um zu prüfen: Was hat funktioniert? Was hat nicht geklappt? Welche neuen Baustellen sind entstanden?
Fazit: Der richtige Weg beginnt mit dem ersten Schritt
Es braucht keine perfekte Strategie, um anzufangen. Aber es braucht eine klare Richtung. Südtiroler Betriebe, die heute in Struktur und Orientierung investieren, sind morgen besser aufgestellt – nicht, weil sie die neueste Technologie haben, sondern weil sie wissen, wozu sie sie einsetzen.
IDM begleitet Sie dabei
Viele Betriebe wissen, dass sie etwas verändern sollten – aber nicht, womit sie anfangen sollen. IDM Südtirol begleitet Unternehmen dabei,
- den Status quo realistisch einzuschätzen
- Prioritäten zu setzen
- und eine umsetzbare Richtung zu definieren – passend zu Ihrer Betriebsgröße und Ihren Ressourcen.
Als neutrale Anlaufstelle bietet IDM Orientierung und hilft Unternehmen, digitale Vorhaben fundiert und strukturiert vorzubereiten.
Die Auswahl des IT-Dienstleisters trifft der Betrieb selbst. Dieser übernimmt anschließend die technische Umsetzung und begleitet die Einführung konkreter digitaler Lösungen.
Melden Sie sich einfach bei uns: Das Gespräch ist unverbindlich – und oft ein erster, wertvoller Schritt.
Manuela Schrattenecker
Digital Transformation
- manuela.schrattenecker[at]idm-suedtirol.com
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